Die Geschäfte laufen gut

In einer kleinen Anwohnerstraße in der Nähe des Maschsees steht ein Mann neben einem grauen Minibus und wartet. Es ist ein sonniger, überraschend kalter Vormittag Ende April. In hochwertige dunkle Freizeitkleidung gehüllt steht der Mann in der menschenleeren Straße auf dem Bürgersteig in der Sonne. In den alten Bäumen über den dicht an dicht geparkten Autos singen die Vögel. Aus dem nahen Fußweg kommt eine Frau, sie ist unauffällig konservativ grau gekleidet. Auf den ersten Blick wirkt sie dank ihrer grauen Kleidung und ihrer altmodischen Frisur älter als sie ist. Sie quert zügig die Straße und plötzlich kommt Bewegung in den Mann. Er strafft seinen Körper und macht einen Schritt auf sie zu. Sobald sich ihre Blicke kreuzen, strahlt er sie einnehmend an. Kurz danach sitzen sie sich im hinteren Teil des Lieferwagens an einem kleinen Tisch gegenüber.

„So, dann zeig mal, was du für mich hast“, sagt der Mann zu der Frau. Wortlos reicht sie ihm einen Stapel Zettel. Sie weicht seinem Blick aus.
Der Mann blättert gierig die Zettel durch. Er zählt sie zweimal, bevor er sie weglegt und mit ruhiger Hand eine vor ihm liegende Liste ausfüllt.
„Mit dir ist es einfach toll“, sagt er zu der ihm gegenüber sitzenden Frau. Sie blickt auf den Boden. „Ich meine, ich warte hier nur die ganze Zeit. Von den anderen sehe und höre ich nichts. Die sind seit ihrem Aufbruch wie vom Erdboden verschluckt, während du schon wieder richtig gute Geschäfte gemacht hast. Eine richtig gute Geschäftsfrau bist du. Du schaffst es einfach überall. Wie machst du das nur immer?“
Sie hebt geschmeichelt ein wenig den Kopf und lächelt kurz.
„Ich weiß auch nicht“, antwortet sie ihm. „Ich mache alles nur so, wie sie es uns gesagt haben.“
Er legt den Stift zur Seite. Dann nimmt er aus einer Tasche unter dem Tisch einen kleinen Block und gibt ihn ihr.
„Gut. Und nun los“, kommandiert er. „Ich will noch mehr sehen. Abmarsch.“
Folgsam springt die Frau aus dem Wagen und eilt geflissentlich davon. Während er in aller Ruhe die Türen des Lieferwagens schließt. Dann steht er wieder ruhig und entspannt neben dem Lieferwagen, wartet und genießt die Sonne.

Veröffentlicht von

susanne

Das aktuelle Quartier der Quartierschreiberin ist Hannover.