Der kleine Mops

An einem sonnigen, kühlen Nachmittag Mitte September drängt es noch einmal alle hinaus. Noch ist das Laub der Bäume grün und vor den Häusern blühen die Rosen. Eingehüllt in mehreren Lagen aus T-Shirts, Strickjacke, Parka und Loop-Schal schlendert man auf den schmalen, sonnenbeschienenen Streifen der Gehwege entlang, schleckt ein Eis und präsentiert seine Sonnenbrille. In der Nähe einer in der Sonne liegenden Bank bleibt man dann stehen und wartet darauf, dass ein Platz frei wird.

Vor einem kleinen, schattigen Spielplatz klettern Kinder in einem Baum. Ihre Mütter sitzen unter dem Baum auf einer Bank. Sie sehen ihren Kindern stolz und gleichzeitig besorgt bei ihrer Kletterpartie zu.
Eine Bank weiter sitzt in der Sonne ein altes Paar. Auf dem kleinen Wiesenstück vor ihnen steht eine junge Frau mit einem Hundebaby an der Leine. Es ist ein kleiner Mops. Die junge Frau möchte gerne weiter gehen, aber das Hundebaby macht keine Anstalten sich zu bewegen. Sie spricht ihn immer wieder zärtlich mit seinem Kosenamen an und macht Kussgeräusche. Nur das Hundebaby interessiert es nicht. Es wendet ihr weiter nur sein Hinterteil zu.
„Na, lange haben se den aber noch nicht. So wie der aussieht, ist der gerade erst geschlüpft“, sagt der alte Mann und lacht. Das Hundebaby freut sich und sieht ihn aus schwarzen Kulleraugen lieb an.
Die junge Frau lacht auch, sagt aber nichts. Sie will kein Gespräch, sie will jetzt gehen, aber der Hund reagiert nicht, egal wie lieb und zärtlich sie ihn leise lockt. Der kleine Mops starrt den alten Mann an, als erwarte er, dass der wieder was macht, lacht, sich auf die Schenkel haut, irgendetwas eben.
Nichts passiert.
Nach dem das alte Paar eine zeitlang amüsiert den Mops und sein Frauchen betrachtet hat, steht es auf.
„Na, das wird wohl noch was längeres bei ihnen. Na, wir müssen nun jedenfalls mal wieder. Machen Sie es gut“, sagt der Alte und geht auf den Arm seiner Frau gestützt davon.
Der Mops sieht ihm hinterher. Sein Frauchen lockt und schnalzt mit der Zunge. Aber der Mops schnuppert erst mal in Richtung Bank. Die Frau verstummt.
„Was soll ich bloß machen? Kannst du mir das mal sagen?“, fragt sie ihn dann leise.
Das Hundebaby schnuppert, wackelt mit seinem zentimeterlangen Schwänzchen und sieht aus seinen großen schwarzen Kulleraugen in die Welt. Irgendwann bewegt es sich dann doch in Richtung seines Frauchens.
„Geht doch“, sagt sie erleichtert und geht so schnell, wie es ihr das Hundebaby erlaubt, davon.

Veröffentlicht von

susanne

Das aktuelle Quartier der Quartierschreiberin ist Hannover.